Eine Analyse der Bibeltextgeschichte

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Autor: Herbert Richter

1. Auflage

Dieses Manuskript ist für diejenigen gedacht, welche sich zum Einen mit dem Thema: Die Entstehung der Bibel befassen wollen und zum Anderen die Frage stellen, welches ist die richtige Bibelübersetzung.

Kapitel 1 Warum müssen Christen über die Entstehung des Neuen Testamentes ziemlich genau Bescheid wissen?

Als der ewige und heilige Gott sah, dass Seine Botschaft immer mehr vermischt wurde durch verschiedene kirchliche Traditionen und das Zeugnis über die Erlösung immer mehr verdunkelt wurde durch den Machtmissbrauch zahlreicher Vertreter der Kirche, hatte sich Gott Männer erwählt, wie Martin Luther, Johannes Calvin oder Menno Simons, mit dem Ziel bestimmte biblische Heilswahrheiten wieder in das Zentrum der christlichen Kirche zu stellen. Wir nennen das Ergebnis: Die Reformation.

Leider wurde der Ausgang der Reformation benutzt um eine andere Bewegung in Gang zu setzen, welche erst vor kurzer Zeit tatsächlich alle Schichten der Bevölkerung erfasst hat: Die Aufklärung. Geprägt wurde die Aufklärung 1784 durch den Kernsatz von Immanuel Kant: „Habe Mut deinen eigenen Verstand zu benutzen.“

Im 18. Jahrhundert hat die Zeit der Aufklärung dazu geführt, dass die althergebrachten Autoritäten von Kirche und König kritisch hinterfragt wurden. Das führte dazu, dass im 19. und 20. Jahrhundert grundsätzlich auch die Zuverlässigkeit der Bibel in Frage gestellt wurde. Heute endet dieses Zeitalter der Aufklärung damit, dass man eine neue Moral schafft, deren Inhalt die Verwirklichung der eigenen Person darstellt.

Das biblische Verständnis bekam einen philosophischen Einfluss von Georg Hegel, Karl Marx und anderer Philosophen. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mündete das kritische Hinterfragen der christlichen Religion letztlich darin, dass ausgehend von zahlreichen modernen Theologen, wie Bultmann, Barth und Käsemann, folgende Theorie formuliert wurde:

Jesus war lediglich ein jüdischer Wanderprediger mit einer pazifistischen und sozialistischen Auslegung des jüdischen Gesetzes. Er verfügte zweifellos über eine hohe Ausstrahlungskraft und zog mit seiner unkonventionellen Lehre zahllose Menschen an. Da er eine Gefahr für die politisch herrschende Klasse und religiöse Elite darstellte, wurde er hingerichtet.

Nach seiner Hinrichtung sammelten sich seine Anhänger nach Jahren erneut und überlieferten die Lehre ihres Wanderpredigers neu, indem sie diese im Laufe der Jahre ausschmückten, mit Wundern, mit Zusätzen und letztlich mit den Begebenheiten der Auferstehung und Himmelfahrt ihres Führers. So entstand im Laufe der vom 2.-3. Jahrhundert aus dem „historische Jesus“ ein „mythischer Jesus“. Die bereits etablierte und politisch starke Organisation aus Anhängern fixierte auf Konzilen ihr mündliche Überlieferung in das Schriftliche.

Die Berichte der Evangelien sind also nichts anderes als eine Sammlung von Legenden und Mythen. Letztlich kann die Überlieferung als Märchen behandelt werden. Die heutige Theologie unserer Universitäten sieht ihre Hauptaufgabe darin, jungen Studenten, angehenden Pastoren und Religionslehrern beizubringen Jesus zu entmythologisieren.

Ab 1990 kommt mit großer Verbreitung eine weitere „wissenschaftliche Erkenntnis“ moderner „Theologen“ hinzu: Jesus wurde scheintot, also lebendig vom Kreuze genommen und ist gesund gepflegt worden. Er war selbstverständlich verheiratet gewesen mit Maria Magdalena und hätte über Nachkommenschaft verfügt, die ihrerseits ein Interesse besessen hat, ihren Stammvater als „Gottessohn“ und „Wundertäter“ verklärt zu sehen. Diesbezügliche Bücher (Die Truhe des Arcimboldo oder Sacrileg u.a.) wurden von Millionen Menschen geradezu verschlungen.

Das entmythologisierte Jesusbild und ähnliche Theorien gibt es auch bezüglich des gesamten Alten Testamentes, der Geschichte Israels, es ist heute Ausbildungsgrundlage praktisch aller Pastoren (und Pastorinnen) der großen evangelischen und auch der katholischen Kirche. Nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten westlichen Welt. In England, Deutschland, Frankreich usw. kommt kein Pastor in sein Amt, der nicht durch eine solche glaubensvernichtende Ausbildung gegangen ist.

Hier sei ein kurzer Artikel zitiert. Im Gespräch der Spiegel mit Margot Käßmann. Sie war Mitglied des evangelischen Kirchenrates und Bischöfin (Quelle: http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=14239):

Der Spiegel: Wie sieht es aus mit der Jungfrauengeburt, also der biblischen Überlieferung, dass Maria bei der Geburt Jesu noch unberührt war?

Margot Käßmann: Da bin ich ganz Theologin des 21. Jahrhunderts. Ich glaube, dass Maria eine junge Frau war, die Gott vollkommen vertraut hat. Aber dass sie im medizinischen Sinne Jungfrau war, das glaube ich nicht… Ich denke, dass Josef im biologischen Sinne der Vater Jesu war.

Kurz zur Anmerkung: Vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass die evangelisch-lutherische Kirche, anglikanische Kirche und wie sie alle heißen mögen, zu einem Tummelplatz links- alternativer und grüner Weltanschauung geworden ist. Vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, dass Homosexualität und andere Sünden geradezu gutgeheißen werden!

In den Augen weitester Teile der Bevölkerungen im Westen-Europas ist der Glaube mittlerweile lächerlich und unglaubwürdig gemacht worden. In den Augen eines Durchschnittsdeutschen ist das Christentum eine Art böswillige Volksverdummung. Das bestenfalls Nichtbeachtung notfalls sogar Eingrenzung durch staatliche Gesetze verdient. Wer einmal systematisch die Spalten der Leserbriefe in den großen Massenmedien (wie Spiegel, GEO oder STERN) durchforstet, wird erschrocken sein, mit welcher Vehemenz, ja sogar Hass manche auch der gebildeten Zeitgenossen sich zum Thema Christentum äußern!

In diesem Kontext verstehen bibeltreue Gläubige, wie überlebenswichtig die obige Frage ist!

Kapitel 2 Geschichte der Textüberlieferung

Die Evangelien und die Briefe des neuen Testamentes wurden bei den ersten Christen hoch geschätzt. Bereits zu beginn wurde für die Verbreitung der Schriften gesorgt.

Kolosser 4,16: Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorgt dafür, dass er auch in der Gemeinde der Laodizeer gelesen wird, und dass ihr auch den aus Laodizea lest.

Die Verbreitung der Schriften erfolgte mit dem Folgenden Hintergrund:

Die ersten Christen waren Juden. Diese ersten Juden-Christen sahen sich nicht aus dem Judentum herausgelöst, sie selber betrachteten sich als eine der zahlreichen jüdischen Sondergruppierungen, als solche wurden sie auch wahrgenommen. Tatsächlich hatten sie die Organisation der jüdischen Synagoge übernommen, mit dem Aufseher (Episkop), dem Helfer (Diakon) und dem Ältesten (Presbyter). Synagogen in denen selbstverständlich auch eine Verbreitung der Schriften stattfand. Die Verbreitung der Schriften fand beispielsweise in Rom, Athen und Cesaräa statt.

Im Diktier- und Schreibsaal (Scriptorium), saß vorne ein Diktierer (Diakonials), der mit langsamer Stimme einen Text vorlas und den die Schreiber (Scribenten) Wort für Wort aufschrieben. Solche Einrichtungen (Scriptorien) gab es im Römischen Reich schon lange Zeit vorher und diente dazu, die reichere Bevölkerungsschicht und die Universitäten mit Literatur zu versorgen. Im Regelfall waren die Mitarbeiter dieser Diktier- und Schreibarbeit Sklaven, der Verkauf der Literatur brachte den Betreibern Gewinne. Die Schriftrollen waren teuer und nur für die reichere Bevölkerungsschicht erschwinglich, sodass meist nur die gehobene Klasse einen bestimmten Schatz an Fachliteratur besaß.

Abbildung von Jean Miélot zeigt einen Schreiber im Scriptorium Lizenzfrei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Escribano.jpg

Jüdische Gemeinden hatten, schon sehr bald nach der babylonischen Gefangenschaft über solche Scriptorien ihre heiligen Schriften vervielfältigt. Die Gewohnheit, die heiligen Schriften zu vervielfältigen war im frühen Christentum von Anfang an gegeben.

Und nicht nur das. Die ersten Christen verfassten auch zahlreiche Predigten und Briefe. Bereits im 2. Jahrhundert gab es eine nicht geringe Menge an christlichen Schriften, die nun von den Apostelschülern, Gemeindeältesten und Bischöfen stammte. Beispiele hierfür sind: Die Lehre der Zwölf (Didache), die 7 Sendschreiben des Bischofs Ignatius von Antiochien, der Barnabas Brief, die clementinischen Schriften, das Evangelium von Petrus, das Evangelium von Paulus, das Evangelium der Nazaräer, das Evangelium der Hebräer, das Evangelium der Ebioniten, das Evangelium von Nikodemus, die Apostelgeschichte von Paulus, die Apostelgeschichte des Petrus usw.

Erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts begannen die christlichen Gemeinden zu sichten, welche Schriften authentische Originalschriften waren und welche nicht. Ab ca. 170-180 n. Chr. stand für die christlichen Gemeinden fest, welche Schriften als „heilig und von Gott inspiriert“ anzusehen waren und welche nicht. Rein historisch ist anzumerken, dass nur die Augenzeugen Jesu als authentisch galten.

Gleichzeitig hatte es auch Fälschungen gegeben. Aufgrund von Fälschungsbriefen schrieb Paulus warnend:

  1. Thessalonicher 2,2a: Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern […] durch einen angeblich von uns stammenden Brief.

In Randbereichen des jungen Christentums gab es Vermischungen mit einer bereits vorhandenen geheimen Religion, der „Gnosis“ (griech. Erkenntnis). Diese sog. „christliche“ Gnosis war besonders stark in Ägypten und Kleinasien vertreten. Paulus kannte diese Sekte auch:

  1. Timotheus 6,20: O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten Erkenntnis (Gnosis)!

Aufgrund der Fälschungsversuche setzte Paulus ein Zeichen:

  1. Thessalonicher 3,17: Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand; dies ist das Zeichen in jedem Brief, so schreibe ich.

Innerhalb der Gnosis wurde ein verfälschtes Bild von Jesus dargebracht. Jesus als „neuer Gott”, der über die moralischen Gebote der Evangelien noch eine zusätzliche Geheimlehre mit besonderen Meditationsformen gelehrt hätte. Nur besonders vorher ausgewählte würden errettet werden. Zur Begründung dieser gnostizistischen Lehre wurden von gnostischen „Propheten“ Evangelien und Briefe in Umlauf gebracht, ebenfalls unter dem Namen eines Apostels. Solche Fälschungen waren: Evangelium des Thomas, der Maria, des Judas usw.

Die Schriften: Jakobusbrief, Hebräerbrief und die drei Petrusbriefe waren die einzigen Schriften, über die es erst eine Diskussion gab. Da sie an juden-christliche Gemeinden gerichtet gewesen waren und nur im Raum Ägypten und Syrien verbreitet gewesen waren. Den übrigen kleinasiatisch, griechisch und römischen Gemeinden waren diese Briefe unbekannt.

Um 170-180 n. C. hatte es für die damaligen Christen sehr wohl zuverlässige Möglichkeiten gegeben, festzustellen, welche Schriften authentisch waren und welche nicht. Auch wenn wir im 21. Jahrhundert diese Möglichkeiten nicht mehr haben, gibt es keinen Grund anzuzweifeln, dass diese Schriften wirklich von den Aposteln stammen. So schreibt Papias, der kurz vor dieser Zeit gelebt hatte, dass er die Originalschrift des Apostels Matthäus in hebräischer Sprache in einer (wahrscheinlich juden-christlichen) Synagoge im östlichen Kleinasien gesehen hätte. Das sogenannte „Muratorische Fragment“ schreibt recht detailliert über diese Nachforschungsergebnisse.

Erst viel später, im 5. Jahrhundert sollte die Kirche, nun schon eine recht machtbesessene Organisation, auf einigen Beschlüssen (Synoden) noch einmal verbindlich festlegen, welche Schriften zum neutestamentlichen Kanon gehören. Diese Synoden dienten aber vor allem dem absoluten Ausschluss von Fälschungen, insbesondere zum Verhindern „christlicher Legenden“.

Vom 5.-6. Jahrhundert kamen besonders im syrisch-arabischen Raum die sogenannten “Kindheitsevangelien“ auf, von Jakobus oder Thomas, ebenso ein Pseudo-Matthäusevangelium, die ausführlich phantastische Dinge über die Kleinkindjahre Jesu und über die Herkunft von Maria und Joseph berichteten. Allein der Schreibstil dieser Schriften macht es selbst für einen literarisch- ungebildeten Leser offensichtlich, dass die kanonischen Evangelien aus einer ganz anderen Zeit stammen als diese „Kindheitsevangelien“. Obwohl diese Schriften ausgeschlossen worden sind, haben sie doch in der orthodoxen wie auch katholischen Kirche das ,,volkstümliche Bild“ von einem christkatholischen Jesus geprägt.

Nur für sehr Interessierte: Tatsächlich sollte es auch noch einmal in der frühen Neuzeit zu einer absichtlichen Fälschung kommen: Dem Barnabas-Evangelium, nicht zu verwechseln mit dem Barnabas-Brief aus dem 2. Jahrhundert. Er stammt von einem in Spanien lebenden, zum Christentum zwangsbekehrten Araber Mustafa d Arande. Höchstwahrscheinlich zwischen 1400- 1600 n. C. Er versuchte sich am Christentum zu rächen. Das gelang ihm erfolgreich! Er verfasste das Barnabas-Evangelium, welches das islamische Jesusbild bestätigt und gerade in der islamischen Welt fand diese Schrift als die einzig wahre Schrift riesige Verbreitung. Wer mit Moslems über den christlichen Glauben reden möchte, sollte sich ausführlich über den Inhalt dieses Evangeliums informieren.

Sowohl für dieses wie auch für die aus dem frühesten Christentum stammenden „gnostizistischen Evangelien“ gilt, glücklicherweise, aber leider nur für die literarisch Gebildeten, eine Gemeinsamkeit. Die Wortwahl, der Schreibstil, die Redewendungen usw. weisen sehr klar auf eine nichtjüdische, z. T. auch zeitlich später einzuordnende Umgebung hin und offenbaren sich damit selber als Fälschungen. Hier sei auf das sehr gut und versiert geschriebene Fachbuch „Was hat Jesus wirklich gesagt“ von David Bivin und Roy Blizzard verwiesen. Nur soviel sei noch gesagt: Die klassischen Evangelien verweisen durch ihre zahlreichen Hebraismen klar und deutlich sowohl in die Zeit des 1. Jahrhunderts hin, wie auch in das jüdische Umfeld des apostolischen Christentums.

Im Laufe des Mittelalters, bis zur Erfindung des Buchdrucks, kopierten die Mönche handschriftlich die überlieferten Texte. Diese hatten auch große Scriptorien. Beim Kopieren kam es zwangsläufig zu Veränderungen im Text, durch die Rechtschreibung und die Grammatik.

Jetzt erhebt sich aber für den kritischen Leser die Frage: „Wo sind denn die vielen Hunderte von Exemplare der Bibeln oder des Neuen Testamentes aus der Frühzeit, wenn die meisten christlichen Gemeinden von Spanien bis Syrien über schreibkundige Mitarbeiter verfügt hatten? Wieso sind nur ein paar Exemplare erhalten geblieben und auch diese sind nicht aus der Ur-Zeit des Christentums?“

Nun, auch hier müssen wir wieder in die Tiefe der Geschichte des Ur-Christentums eindringen. Zwischen 249 und 313 kam es zu umfangreichen und schweren Wellen von Christenverfolgungen und zwar zum ersten Male im ganzen römischen Reich. Angriffsobjekt der staatlichen Verfolgung waren in erster Linie die geistlichen Führer der Gemeinden und die gemeindeeigenen Bibliotheken. Die staatlichen Verfolger wussten um die Bedeutung des geschriebenen Wortes für die Christen. Dennoch war die Angst bei den Gläubigen groß, auf den Besitz der heiligen Schriften stand die Hinrichtung. (Man vergleiche die repressive Innenpolitik Nordkoreas.) Lediglich in den abgelegenen Bergregionen Nord-Afrikas und Kleinasiens bzw. dem Kaukasus konnten Exemplare christlicher heiliger Schriften überleben. Aber auch hier waren die heiligen Schriften durch die Islamisierung in Gefahr. Ab dem 6. Jahrhundert wurden die christlichen Hochburgen in Nordafrika nachhaltig vernichtet, sodass in dem frühen Mittelalter erst einmal nur die griechischen Texte aus Kleinasien überlebt hatten.

Der „Textus Receptus“ wurde zur katholischen Alternative (Vulgata) und bildete die Übersetzungsgrundlage für die deutsche, niederländische und später die englische und schwedische Bibel. Kirchenführer wie auch theologisch interessierte Fürsten entdeckten jedoch mit der Zeit, dass es noch weitere Textzeugen für das Neue Testament gab. König Charles von England hatte 1627 vom orthodoxen Patriarchen von Alexandrien einen griechischen Codex geschenkt bekommen, (vermutlich wurde das zunehmend islamische Ägypten kein sicherer Aufbewahrungsort mehr,) den man daraufhin Codex Alexandrinus nannte. Diese Abschrift stammte aus dem späten 4. Jahrhundert.

In Rom, im Vatikan, tauchte (vermutlich ein unbeachtetes Beutegut der Kreuzritter im Mittelalter) ein Manuskript aus dem frühen 4. Jahrhundert auf, welches der Codex Vaticanus genannt wurde. In Paris fand man ein Manuskript, auf welchem man erst im 19. Jahrhundert durch eine chemische Untersuchung den griechischen Text der Evangelien ausmachen konnte, den sogenannten Codex Ephraemi Rescriptus. Der Archäologe Tischendorf fand im 19. Jahrhundert im Kloster Sinai den Codex Sinaiticus.

Im gleichen Kloster entdeckten zwei gelehrte und neugierige Touristinnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Syro-Sinaitische Palimpsest, ein Textzeuge des Neuen Testamentes in aramäischer Sprache. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kamen noch mehr Funde ans Licht: Der aramäische Coura Pyıurvui die syrische Peschitta, eine Unmenge von Fragmenten aus Ägypten, teilweise bis ins 2. und 1. Jahrhundert reichend. Die Textfragmente sind unter dem Namen „Papyri“ Chester und Bodmer, jeweils nach ihren Entdeckern, benannt.

Alle diese relativ neuen Funde bezeugen das Folgende: Der Text des Neuen Testamentes zeigt keine wirklich wesentlichen Veränderungen auf. Das bedeutet, die ersten Christen verfügten im Wesentlichen über den gleichen Text wie wir heute. Allerdings bezeugen, die meisten dieser alten

Textzeugen, neben den bisherigen „Byzantinischen Typ“ noch drei andere Typen. Den sogenannten „Alexandrinischen“, den „Westlichen“ und den „Caesarianischen“ Texttyp.

Neben den eben genannten Textzeugen für den neutestamentlichen Text entdeckten Archäologen eine Unzahl von uralten Fragmente, die in den Frühzeiten des Ur-Christentums verfasst worden waren. Diese Schriften liefern ein interessantes Bild über die Probleme und Auseinandersetzungen des frühen Christentums. Solche Schriften sind z. B. die schon oben erwähnten Evangelium des Petrus, des Jakobus, der Hebräer, des Petrus, des Paulus usw. Dazu gehören auch die im Ägyptischen Wadi Nag-Hammadi gefundenen Schriften, die weitestgehend die Irrlehre der Gnosis wiederspiegeln. Insofern sind diese Schriften von Bedeutung, weil man anhand des Schreibstiles feststellen kann, dass die Evangelien Originale sind, während die später entstandenen „Apokryphen“ und „Pseudoepigraphischen“ Schriften bereits einen anderen Schreibstil haben, der eben schon geprägt ist von einer bestimmten Tradition. Ein typisches Beispiel ist z.B. die Titulierung die „Heilige Maria“. Im ersten Jahrhundert wäre es undenkbar gewesen, einen der Apostel mit dem typisch katholisch kirchlichen Titel als Heiliger zu bezeichnen.

Kapitel 3 Die Frage nach der Zuverlässigkeit des Textes

So viele Texttypen? Hatte Gott nicht versprochen, dass Er über Sein Wort wachen würde? Steht nicht geschrieben:

Psalm 12,7-8 Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du oh Herr, wirst sie bewahren, wirst behüten sie vor diesem Geschlecht ewiglich!

Von Gott inspiriert ist der ursprüngliche Text, also der Urtext, nicht die Übersetzung! Jede Übersetzung ist bis zu einem gewissen Maße auch eine Art Interpretation. Da uns, zumindest bis heute, die ursprünglichen von den Autoren niedergeschriebenen Originaldokumente nicht vorliegen, bemüht man sich durch Textvergleiche mit den älteren Textzeugen, so nahe wie möglich an das Original heranzukommen. Wer weiß was noch in Kleinasien, Syrien oder Israel in irgendwelchen verschütteten Ruinen, Synagogen oder Höhlen, der Entdeckung durch neugierige Touristen erwartet?

Das Bemühen durch Textvergleiche zu dem ursprünglichen Wortlaut zu kommen nennt man unglücklicherweise Textkritik. Das Wort Textkritik weckt Assoziation zu dem Wort Bibelkritik, aus diesem Grunde eine Erklärung.

Textkritik:

Sie beschäftigt sich mit der Frage: Welches waren die echten Originale des Textes? Das Wort Textkritik darf auf keinen Fall verwechselt werden mit dem Wort „Bibelkritik”.

Bibelkritik: Ist das Interesse „wissenschaftliche Beweise“ zu suchen, dass das Wort Gottes nicht zuverlässig überliefert worden ist, dass letztlich die gesamte christliche Lehre „durch mündliche Überlieferung und eine gezielte Legendenbildung seitens der machtbesessenen „Kirche“ entstanden sei. Mit größter Selbstverständlichkeit hätten sich die Berichte von den Wundern Jesu und die Auferstehung im Laufe dieser gezielten Legendenbildung entwickelt, weswegen die Person Jesu letztlich ähnlich einzuordnen sei wie die Personen Konfuzius, Buddhas oder Mohammed, nämlich eines Gelehrten oder selbsternannten Propheten.

Vergleicht man die bis jetzt ältesten Textzeugen mit den jüngeren Textzeugen, ergibt sich, dass die Unterschiede eigentlich nur in der Grammatik und der Rechtschreibung bestehen. Bei den Ausdrücken, byzantinischer, westlicher oder alexandrinischer Text handelt es sich um Varianten ein und desselben Textes.

Tatsache ist zum Einen, dass die byzantinische Textvariante zumindest in den ersten drei Jahrhunderten nicht bekannt gewesen war. Die zahlreichen Zitate der Apologeten und Kirchenväter, ihre Schriften sind besser bewahrt worden, als die biblischen Texte, da sich gegen diese nicht der Vernichtungszorn der römischen Obrigkeit gerichtet hatte, verwenden alle die alexandrinische, caesarianischen oder die westliche Variante. Der berühmte Brief des Polykarp von Smyrna besteht z.B. fast nur aus Zitaten seines Lehrers Apostels Johannes, diese sind allesamt nach der alexandrinischen Variante. Bis weit in die Zeit von Origines und Eusebius von Caesarea gibt es kein Zitat aus dem Neuen Testament, das belegt, dass die byzantinische Variante damals bekannt gewesen wäre.

Tatsächlich weisen der Codex Alexandrinus und der Codex Ephraemi rescriptus in den Evangelien durchgehend die byzantinische Textform auf, aber in den Briefen und der Apostelgeschichte die alexandrinische Form auf. Der Codex Vaticanus weist in den apostolischen Briefen mal die alexandrinische, mal die westliche, mal die Byzantinische Form auf. Aber der Codex Bezae, der irrigerweise bei manchen Christen als „Kronzeuge“ für den byzantinischen Typ gilt, gehört nur in den Briefen diesem Texttyp an, die Evangelien und die Apostelgeschichte gehören dem westlichen Texttypus an. Noch nicht genannte Codices, wie Washingtonianus, Claromontanus usw. sind alle irgendwie Mischungen. Die Behauptung, alle anderen Textvarianten außer der byzantinischen wären Verfälschungen, entbehrt jeder beweisbaren Grundlage.

Den beiden Professoren Nestle und Aland sollte die Frage gestellt werden, wieso sie sich grundsätzlich immer für die kürzeste Variante entschieden haben, selbst wenn der Textzeuge nur ein

Papyrus gewesen ist. Die Problematik dieser „Papyri“ besteht ja gerade darin, dass es nur Textfragmente, also Fetzen von Buchrollen gewesen sind, die in den Ruinen Syriens oder Ägyptens erhalten geblieben sind. Hier darf der Autor, unterstellen, dass Ungeziefer, wie Mäuse ihr Unwesen getrieben haben, und dass auf diesen Fragmenten, die per se ja schon die Bezeichnung Bruchstück beinhalten, eben auch Worte verlorengegangen sind.

Der Wert der Papyri besteht für bibelgläubige Christen vor allem darin, dass sie oft aus dem frühen 2 Jahrhundert stammen und damit beweisen, dass die ersten Gläubigen sehr wohl die Berichte und Lehren über Jesus bzw. der Apostel schriftlich niedergeschrieben hatten, und eben auch über die gleichen Texte verfügt hatten, wie wir heute auch.

Schlußfolgerung: Kein Text (Textes Receptus, Codex Alexandrinus oder Codex Vatikanus oder …) ist pauschal der bessere. Der gläubige Bibelleser sollte nicht bestimmte Fragmente kategorisch als nicht authentisch bezeichnen. Die Logik ist vielmehr eine andere: Die gefundenen Textfragmente bilden oft eine Art Puzzlestück, diese müssen zusammen betrachtet werden!

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Urtexte mit mehr Wörter als die Ursprünglicheren anzusehen sind. Wieso? Ungezeifer und Schimmelpilze könnten den Textinhalt reduziert haben. Sollten Irrlehrer den Text geändert haben, wäre ein Streichen gewisser Wahrheiten einfacher gewesen, als etwas Hinzuzufügen. Bei Bibelstellen, bei denen Urtexte Unterschiede zeigen, muss außerdem der Text mit dem Kontext der Bibel überprüft werden.

Kapitel 4 Einige Unterschiede zwischen dem Textus Receptus und den älteren Textzeugen

Kommen wir zu den Unterschieden, der bei manchen evangelikalen bibelgläubigen der Grund ist, weshalb sie unbedingt an dem Textus Receptus festhalten wollen. Drei Beispiele seien hier genannt.

Beispiel 1: Der Unterschied (Comma Johanneum) in 1. Johannesbrief 5,7-8:

1 . Johannesbrief 5,7-8 Drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut.

(Normaldruck: westlicher / alexandrinischer / caesarinischer Typ. Fett: byzantinischer Text)

Dieser Abschnitt fehlt in sämtlichen griechischen Handschriften inklusive im Codex Bezae, der als Hauptzeuge des byzantischischen Textes gilt. Er taucht dagegen in vielen Codices auf die jünger sind als das 6. Jahrhundert. Von den Kirchernvätern bezeugt erst Augustinus die Kenntnis von diesem Satz. Das früheste Schriftliche Zeugnis dieses Zusatzes finden wir bei dem spanischen Bischof Priscillian von Avila, einem sehr frommen, sehr aufrechten Mann, der im Gegensatz zu seiner Umwelt bescheiden und asketisch lebte.

Auffällig ist, dass dieser Satz in allen uns überlieferten schriftlichen Predigten und Auseinandersetzungen über das Dogma der Dreieinigkeitslehre fehlt. Der überaus bibelbewanderte Athanasius von Alexandrien hat diesen Satz nicht gekannt. Auf den Konzilien von Nicaea und Konstantinopel, wo die Dreieinigkeitslehre in die kirchliche Lehre aufgenommen worden war, wird dieser Satz, der ja immerhin ein klassischer Kronzeuge dafür gewesen wäre, nicht zitiert.

Erasmus von Rotterdam hatte diesen Zusatz in die ersten Auflagen seines Textus Receptus nicht aufgenommen, da er ihn wegen der Schriftform in den griechischen Codices für eine zusätzliche Erklärung gehalten hatte. Erst auf massives Drängen seitens der kirchlichen Obrigkeit wurde dieses Comma Johanneum in den Textus Receptus aufgenommen. Auch in Martin Luthers Übersetzung fehlt dieser Zusatz. Erst 1581 wurde in die deutschen Lutherbibeln das Comma Johanneum aufgenommen. Heute ist es nur noch vorhanden in der russischen Synodalüberseztung, in den Lutherbibeln von vor 1912 und in allen von der griechischen-orthodoxen Kirchen. Auch die einer eigenen Texttradition folgenden, armenischen, koptischen und syrisch-aramäischen Übersetzungen kennen dieses Comma Johanneum nicht.

Wer den Textzusammenhang vom 4. Kapitel des 1. Johannesbriefes beachtet, wird feststellen, dass es hier um die Echtheit eines Christen geht: Folgender Sinn kann wohl herausgelesen werden: Nur jemand, der, echt bekehrt ist, wird die Welt überwinden, falls er drei Zeugnisse vorweisen kann: Den Geist der Wiedergeburt, das Wasser der biblischen Taufe und das Blut welches er als Märtyrer bereit ist zu vergießen. Im historischen Kontext, Ende des 1. Jahrhunderts vollkommen verständlich!

Beispiel 2: In den Codices Alexandrinus und Sinaiticus fehlt die Passage über die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin Johannes 7,53-8,11. In den Codices Vaticanus Syro-Curetionis und Syro-Sinaiticus ist sie aber enthalten. Die verschiedenen Papyri enthalten nur Evangelienbruchstücke, daher ist nicht ersichtlich, ob sie ursprünglich diese Passage enthalten haben.

Was den Codex Alexandrinus anbelangt, mag man argumentieren, dass von ihm 773 einzelne Blätter, also keine Buchrolle erhalten geblieben sind. Fast das gesamte Matthäus-Evangelium fehlt,

Johannes und der 2. Korintherbrief sind nur teilweise erhalten. Aus dem Text geht jedoch hervor, dass diese Passagen alle einmal enthalten waren. Der Nestle Aland Text hat diese Passage beibehalten. Angeblich soll die Passage über die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin aus einem juden-christlichen Evangelium stammen.

Beispiel 3: In den Codices Sinaiticus. Vaticanus, Syro-Sinaiticus fehlt der „lange“ Schluss vom Markus Evangelium. Bei ihnen endet Markus mit den Worten:

Abschnitt nach Markus 16,8: Alle Dinge aber, die geboten worden waren, erzählten sie kurz denen, die sich in der Umgebung des Petrus waren. Ferner sandte nach diesen Dingen Jesus selbst die heilige und unvergängliche Botschaft von der Rettung vom Osten bis zum Westen durch sie aus. Amen.

Die Codices Alexandrinus, Ephraemi respcriptus, Bezae und Syro-Curetonianus sowie die Vulgata enthalten den längeren Schluss (Markus 16,9-19). Der Nestle Aland Text zitiert den Kurzen und den langen Schluss.

Über den Unterschied im Comma Johanneum lässt sich kaum diskutieren. Alle Fakten sprechen dafür, dass er ein nicht authentischer Zusatz ist. Schwieriger wird die Beurteilung bei dem zweiten und dritten Unterschied. Gute sprich fundamentalistisch orientierte Bibelübersetzungen, wie z. B. Elberfelder oder Schlachter bringen die ausgelassenen oder verlorenen Texte, aber mit einer Fußnote versehen.

Hier sollte der kritische Leser immerhin bedenken, dass die besten archäologischen Funde und Zeugnisse leider durch die verschiedensten Angriffe von Kleinstlebewesen, wie Mäusen oder Schimmelpilzen gemindert werden konnte.

Kapitel 5 Kurz zu den Texten des Alten Testamentes

Ursprünglich wollten wir für den Bibelschüler bzw. interessierten gläubigen Leser ausschließlich die Entstehungsgeschichte der neutestamentlichen Texte beleuchten. Um der Vollständigkeit halber wollen wir auch kurz einige Worte über die Entstehungsgeschichte des Alten Testamentes verlieren.

Aufgrund der Tatsache, dass das Alte Testament die Entstehungsgeschichte des jüdischen Volkes dokumentiert, begründet es das Existenzrecht Israels im Heiligen Land, den Rechtsanspruch der Juden auf die Stadt Jerusalem als Hauptstadt und insbesondere den religiösen Anspruch auf den Tempelberg. Für Kenner des Islams kommt noch hinzu, dass die Schriften des Ats belegen, dass

eben nicht die Nachfahren Ismaels, die Araber, sondern die Israeliten als biologische Nachfahren Isaaks das auserwählte Heilsorgan Gottes waren und sind. Es gehört zur Grundlehre des Islams, dass die Juden die Schriften” des Alten Testamentes in ihrem Sinne „gefälscht” hätten. Darüber hinaus ist in den Augen der aufgeklärten politischen Weltöffentlichkeit die Behauptung, dass ein Volk “eben doch eine biologische Abstammungsgemeinschaft ist im Moment politisch unkorrekt weil, rassistisch” und überhaupt ist der biblisch begründete Anspruch der Juden die Ursache für den Nahost-Konflikt, weswegen es im Sinne eines anzustrebenden Weltfriedens ist, die Echtheit der alttestamentlichen Überlieferung grundsätzlich anzuzweifeln. Aufgrund der zweiten Tatsache, dass Gottes Gesetz und die Botschaft Seiner Propheten geradezu ,,eine moralische Zumutung ohnegleichen in unserer freizügigen Zivilisation ist”,ergibt sich in den Augen der politisch Verantwortlichen geradezu die Notwendigkeit, genauso wie die historischen Zeugnisse über den Erlöser und kommenden König Jesus Christus, auch die alttestamentlichen Schriften als Produkt von Legende und Märchen darzustellen.

Seit ca. 30-40 Jahren haben sich die Führer der “christlichen” Kirchen und der etablierten Wissenschaft auf folgende Version geeinigt, die an unseren Universitäten und in unseren Massenmedien als “wissenschaftlich bewiesen” dargestellt wird.

Der Ausdruck, “wissenschaftlich bewiesen” ist sozusagen das Zauberwort, das Totschlag-Argument mit welchem immer dann argumentiert wird, wenn etwas eben nicht bewiesen ist. Ahnlich wie der Leser der BILD-Zeitung grundsätzlich den Schlagzeilen der BILD-Zeitung blinden Glauben schenkt, so auch der kritisch und fortschrittlich denkende Bundesbürger”, wenn er diese Worte liest …Die 5 Bücher Moses inklusive der Bücher Chronika, Könige, Samuels etc. seien aus im wesentlichen 4 verschiedenen Quellen (dem Jahwist, Elohist, Deuteronomist und Priester Codex) zusammengestellt worden, und zwar ca. 500 v. Chr. von einer Gruppe von hochintelligenten Hebräer-Priestern. Diese Gruppe von Leuten hätten sich zum Ziel gesetzt, aus den verschiedenen semitischen Sklaven-Stämmen im Zweistromland eine einheitliche Nation, eben die “Israeliten” zu erschaffen. Sie hätten verschiedene mündliche Traditionen und Legenden (eben jene 4 genannten Quellen) genommen, diese mit noch eigenen Inhalten versehen und zu einer fiktiven Geschichte eines angeblich uralten Volkes zusammengestellt, welchen von Ihrer eigenen Gottheit Jahwe ausersehen wäre. Die Schriften der ,,Propheten” wären ebenfalls fiktive, mehr oder weniger erfundene Predigten, deren ,,Prophezeiungen” natürlich längst nach deren Erfüllung niedergeschrieben worden wären. “Die Lehre von dem Einen Gott, welcher sich das Volk Israel auserwählt hat” eine künstliche geschaffene nationalistische Religion mittels welcher etliche Priester Sippen sich ein eigenes Volk erschaffen und letztlich religiöse Macht und staatliches Territorium in Palästina ergaunert haben, das ist die Sichtweise, die jungen, angehenden Pastoren an unseren Universitäten verbindlich gelehrt wird und mittels welcher unsere Öffentlichkeit dem

Islam entgegenkommen will auf Kosten der Wahrheit.

Vorwegnehmend ist zu sagen, dass im Gegensatz zu dem Neuen Testament, die Schriften des Alten Testamentes in einem Zeitraum von mindestens 1000 Jahren (500 v. Chr. bis mindestens 1500 v. Chr.) entstanden sind. Während von den einzelnen neutestamentlichen Schriften relativ kurz (ca. 150 n. Chr.) nach ihrer Niederschrift feststand, welche als heilig anerkannt waren und welche nicht,so legte erst eine Versammlung von Rabbinern und Schriftgelehrten ca. 75 nach (!) Chr. in Jawne fest, welche Schriften im Judentum unzweifelhaft als authentisch (und damit heilig) galten.

Schriften, die vor und zur Zeit Jesu im Judentum zumindest als ,,Erbauungsschriften” anerkannt gewesen waren, wie die “Psalmen Salomos”, “Henochbuch”, “Himmelfahrt Moses”, “Testament der 12 Patriarchen” u. a. sind heute nur noch wenigen bekannt.Lediglich die damals ebenfalls abgelehnten 2 Makkabäerbücher, Sirach, und Judith hat die katholische Kirche nach der Reformation in den alttestamentlichen Kanon aufgenommen.

Den auf hebräisch geschriebenen Schriften des Alten Testamentes (diese Bezeichnung kam erst ca.200 n. Chr. auf) liegt ursprünglich der sogenannten Konsonantentext zugrunde: Es gehört zur Eigentümlichkeit des Hebräischen, dass beim Schreiben die Vokale weggelassen wurden-und der hebräische Muttersprachler wusste eben, wie was auszusprechen gewesen war. Lediglich die Buchstaben alef und ajin zeigten an, dass an dieser Stelle der Vocal ,,a“ oder ,,e” stehen muß, bezüglich das “jud” konnte eventuell auch ,,i” bedeuten.

Einige Teile des Buches Daniel sind auf aramäisch geschrieben. Hier existieren Meinungsverschiedenheiten darüber, ob sie ursprünglich nicht auch auf hebräisch geschrieben gewesen waren. Im Judentum selber galt und gilt der Konsens, dass nur dieser Konsonantentext von Gott inspiriert ist. Die Entstehungsgeschichte der 5 Moses Bücher (“Pentateuch”), welche uralten Quellen Moses benutzt haben könnte für die Inhalte des ersten Moses Buches, die Problematik der zahlreichen Verweise auf ältere Quellen (4. Mose 21, 14; Jos.24, 26; Jos. 10,13; 2.Sam.1,18 und 1. Chr.27,24 um nur einige zu nennen), all dies würde den Rahmen unserer kleinen Abhandlung sprengen. Wir möchten den interessierten Leser auf einschlägige bibeltreue Quellen verweisen, wie z. B. ,,So entstand die Bibel“ von Willem Glashouwer Christliche Literaturverbreitung (leider nur noch antiquarisch).

Als Textquellen stehen uns keine Originalschriften (des Konsonanten-Textes) aus der Zeit vor der Babylonischen Gefangenschaft zur Verfügung, was nicht ausschließt, dass irgendwo doch noch in irgendwelchen verborgenen Höhlen oder Kellern Fragmente verborgen liegen. Das Beispiel der Funde von Qumran, wo schlagartig der Weltöffentlichkeit Texte in die Hände gefallen waren, die runde 1000 Jahre älter sind, als die bis dahin (1947) bekannten Texte, und das weniger bekannte Beispiel der Funde von Massada, für welche das gleiche gilt ist geradezu ,,klassisch“ dafür, dass

gläubige Christen auch in Geschichte bewandert sein sollten. Auch hier verweisen wir auf einschlägige, sehr fesselnd geschriebene populärwissenschaftliche Literatur von Alexander Schick („Jesus und die Schriftrollen von Qumran” vom Schwengeler Verlag und “Irrt die Bibel” vom Jota- Verlag) und ähnliche Literatur. Folgende Textquellen stehen uns heute zur Verfügung:

Der Masoretische Text (vom offiziellen Judentum anerkannt) Als im Mittelalter die klassische hebräische Sprache immer weniger gesprochen wurde, unternehmen es Schriftgelehrte aus der Familie Ben-Ascher und Ben-Naftali, den überlieferten Konsonanten-Text durch Interpunktion mit Vokalen zu versehen, damit der mittelalterliche (bis hin zum heutigen) Jude wusste,wie was ausgesprochen wurde. Auf diese Art wurde übrigens die Kenntnis der hebräischen Sprache bis ins 19. Jahrhundert bewahrt. Die „Masoreten” begannen ihre Arbeit um 700 n. Chr. im Nahen und Mittleren Osten. Sie versahen den Konsonantentext nicht nur mit der notwendigen Interpunktion, sondern verfassten auch jede Menge Randbemerkungen, mit denen sie sicherstellen wollten, dass nicht auch nicht ein einziger Buchstabe des als heilig empfundenen Textes verloren gehen konnte. Sie waren sogar so “übergenau”, dass sie Listen aufstellen, wo wie viele Buchstaben vorhanden gewesen waren. Es ist interessant, dass die Masoreten in 18 Fällen der Ansicht gewesen waren, dass durch antike Schriftgelehrte der Konsonanten-Text verändert worden wäre.

Drei Beispiele für alle 18 Fälle: In 1. Mose 18, 22 steht “… aber Abraham blieb stehen vor JHWH” nach Ansicht der Masoreten stand hier ursprünglich:”…aber JHWH blieb stehen vor Abraham”. In Psalm 78,49 steht “… böse Engel“ nach Ansicht der Masoreten stand im hebr. Wort ein unleserlich gewordener Konsonant der, wenn man ihn verbessert, die Lesart “… Hirten Könige” ergibt, was im Textzusammenhang (Wanderung der Israeliten in der Wüste) tatsächlich Sinn macht. In 2. Samuel 21,19 (“… Goliath”) sind die beiden Konsonanten für Bruder (bn) unleserlich geworden, es müsste heißen ,…Bruder des Goliath“. Die drei wichtigsten Vertreter des Masoretischen Textes sind Codex Petropolitanus (ca. 1000), ehemals Codex Leningrad und Codex Aleppo. Der MT war auch bis 2000 die Grundlage der Biblia Hebraica. Seit 2004 ist die Biblia Hebraica anhand der Texte der Qumran Rollen nach korrigiert worden (Biblia Hebraica Quinta).

Die Septuaginta, die Übersetzung des „vormasoretischen“ Konsonanten Textes durch 70 Schriftgelehrte ins Griechische, geschaffen für Juden, die in der frühen antike griechische Muttersprachler geworden waren.Die Septuaginta war auch diejenige Version des Alten Testamentes gewesen, die Martin Luther für seine Übertragung ins Deutsche benutzte. In der Spätantike hatte es eine einzigartige Zusammenschau von 6 Formen des Alten Testamentes gegeben: Die Hexapla des Origines, die dieser um 250 n. Chr. zusammengestellt hatte. Die Hexapla umfasst (in 6 Spalten parallel geordnet) 1. Den vormasoretischen Konsonantentext 2. Dessen Sprachform in griechischen Buchstaben 3. Den Septuagintatext 4. Den Onkelos-Targum und 2

weitere uns nur dem Namen nach bekannte Übersetzungen des Alten Testamentes Leider ist das Original bei dem Untergang der Bibliothek von Alexandria untergegangen, wo es aufbewahrt worden war. Lediglich 2 kurze Fragmente sind erhalten geblieben.

Der Samaritanische Pentateuch eine hebräische Version der 5 Bücher Moses, deren Wurzeln ca. 400-500 vor Chr. zurückliegen, als die in Samaria angesiedelten semitischen Völker den (vor babylonischen) jüdischen Glauben annahmen. Das erste Exemplar wurde nach 1600 in Damaskus entdeckt, weitere Exemplare nach 1860 in Kairo. Das bedeutet, dass natürlich die neuzeitlichen Bibelübersetzer diese Version der 5 Mose Bücher nicht kennen konnten.

In ca. 6000 Fällen weicht der Text vom Masoretischen Text ab ca. 1900 Abweichungen davon stimmen mit der Septuaginta überein. Fast alle diese Abweichungen betreffen Unterschiede in Rechtschreibung oder Ausdrucksweise. Letztlich bestätigen allein diese 3 Textzeugen (nun, der Samaritanische Pentateuch ist ja nur Zeugnis für die Mose Bücher), dass es a) einmal eine einheitliche Textgrundlage gegeben haben muß und b) dass es schlicht und ergreifend ein Märchen ist, wenn von “theologischen Wissenschaftlern” behauptet wird, erst im Laufe der Geschichte wäre der Text des AT’s durch Mythen, Übertreibungen etc.langsam und historisch” gewachsen. Alle Textzeugen inklusive die gleich noch folgenden liegen viele Jahrhunderte bis 1000 Jahre auseinander und zeigen eine geradezu pingelige Sorgfalt und Genauigkeit der Textüberlieferung!

Die aramäischen Targumim, Darunter versteht man Übersetzungen des vormasoretischen Konsonanten-Textes ins Aramäische, wohl getätigt für Juden, die nicht aus der Babylonischen Gefangenschaft zurückkehren und langsam zu aramäischen Muttersprachlern wurden, sowie zahlreiche Aramäer, die in der Antike zum Judentum konvertiert waren. Mit Ausnahme des Targum (Singular! Targumim ist Plural) des Onkelos aus dem 2. nach christl. Jahrhunderts sind die Targumim jedoch recht freie Übersetzungen, weswegen als Textzeuge nur letzteres eine Bedeutung hat. In deutschen Bibelübersetzungen wird der Text des Onkelos-Targums nicht beachtet, auch deswegen, weil er textlich fast identisch ist mit der Septuaginta. Die syrische Peschitta ist quasi eine, volksnahe Übersetzung des AT und des NT ins Aramäische, allerdings, im Gegensatz zu den Targumim von christlichen Bischöfen, genauer gesagt von Rabbula von Edessa im 6 Jahrhundert erstellt. Als “Spät-Zeuge spielt sie in den deutschen Bibelübersetzungen keine Rolle.

Die lateinische Vulgata, im Auftrag von Papst Damasus 382-384 von Hieronymus in Bethlehem übersetzt. Obwohl dieser behauptet hat, sich in seiner Übersetzung des AT’s von einem ,,hebräischen Text” leiten zu lassen, wissen wir heute, dass er nach der Hexapla von Origines übersetzt hat. Da es vor Hieronymos bereits lateinische Übersetzungen gegeben hatte, sind diese im Verlaufe des Mittelalters mit der Vulgata Hieronymos zu der heutigen Vulgata verschmolzen. Der Originaltext von Hieronymos liegt nicht mehr vor. Da die katholische Kirche seit dem Konzil von

Trient die jetzige Vulgata als von Gott inspiriert betrachtet, ist sie die Übersetzungsgrundlage aller katholischen Bibelübersetzungen. Als “Spät-Zeuge” ist sie natürlich wie die syrische Peschitta kein authentischer Textzeuge.

Die Schriftrollen von Qumran und Massada: Diese Schriften sind vormasoretische Texte (neben einer großen Anzahl jüdischer Erbauungsbücher und als apokryph geltende Schriften des AT’s. Sie sind Textzeugen, die um 1000 Jahre älter sind als die bis 1948 bekannten masoretischen Texte und sie beweisen ignoranten Zeitgenossen, dass die Heiligen Schriften des Judentums seit Anfang an zuverlässig überliefert worden sind. Über die außerordentlich interessanten und abenteuerlichen Umstände ihres Auffindens, ihrer Übersetzung und ihres Inhaltes sei auf die zahlreichen Bücher von Alexander Schick verwiesen.

Der Autor dieses Textes ist der persönlichen Meinung, dass die Kenntnis über die Qumran Rollen und der Gruppe der “Essener” sozusagen Pflichtwissen für z. B. Bibelschüler ist. Solche Bücher eignen sich außerordentlich gut als Geburtstags oder Weihnachtsgeschenk (anstelle eines neuen Handys)!

Entgegen abenteuerlichen Theorien liberaler Theologen und Journalisten sind die Qumranrollen allesamt Eigentum des Staates Israel (und nicht der katholischen Kirche). Ihr Inhalt ist sowohl über den Buchhandel wie über Internet für jeden zugänglich zu machen, entgegen anderslautenden Behauptungen.

Die Qumrantexte belegen die Existenz von ca. 1050 Schriftrollen, wobei zu sagen ist, dass längst nicht alles, was sich an Schriftrollen in den Höhlen von Qu.befunden hat, auch in den Händen der Israel. Altertumsbehörde ist. Die Finder arabischer Beduinen, hatten etliches aus Unkenntnis vernichtet, bzw. einiges wird wohl noch auf dem arabischen Schwarzmarkt versteckt sein. Mittlerweile existiert eine Ausgabe der Biblia Hebraica, die die in den Qumran-Rollen gefundenen Unterschiede berücksichtigt (Biblia Hebraica Quinta).

Kapitel 6 Die Unterschiede

Ausgehend von der Frage nach der ,”besten” Bibelübersetzung ergibt sich, dass man grundsätzlich diejenigen bevorzugen würde, die möglichst zeitnah am Originaltext (der uns nicht mehr vorliegt) stehen. Für das Neue Testament bedeutet dies, dass man eher den Text von Nestle-Aland oder das Novum Testamentum Graece nimmt, als den Textus Receptus oder die Vulgata. Für das Alte Testament würde man die Biblia Hebraica (möglichst Quinta) nehmen, aber nicht die Vulgata. Zwei Beispiele, weswegen die Septuagintaversion (damit auch die Vulgata) nicht unbedingt zuverlässig sind (ohne dass man den Übersetzern jetzt absichtliche Fehler unterstellen möchte, aber jede

Übersetzung ist eben auch eine potentielle Fehlerquelle)!

1.Beispiel: In der Septuaginta werden in den Genealogien von 1. Mose Kap. 5 und Kap. 11 für Adam bis Mahalalel, für Henoch und von Arpachschad bis Serug jeweils 100 Lebensjahre mehr gezählt, als im Masoretische Text oder den Qumran Rollen. Außerdem kommt in der September zusätzlich ein “Kainan” vor dem 130 Jahre zugerechnet werden. Wer nachrechnen will: Nach der Septuaginta wäre die Sintflut 2242 Jahre nach Adam gewesen, und Metuschelach hätte die Sintflut um 14 Jahre überlebt Nach dem masoretischen Text und den Qumran Rollen wäre die Sintflut schon 1656 nach Adam gewesen, und eben nur Noahs Familie hatte überlebt.

Um der Ehrlichkeit halber muß man sagen, dass zwei Septuaginta Codices diese Unterschiede nicht haben, sondern mit dem masoretischen Text konform gehen.

2.Beispiel: Im Konsonanten Text wurden die Zahlen aus Buchstaben geschrieben. Das hatte zur Folge, dass die Zahl „Tausend“ = hebräisch:eleph und das Wort ,,Berufssoldat”=hebräisch:alluph gleich geschrieben wurden, nämlich Ip”. Die Übersetzer der Septuaginta haben fast immer den Ausdruck lp mit ,1000“ übersetzt, sodass z.B. Davids Fest in der Stadt Hebron eine Menschenmasse von ca. 340.800 Menschen besucht hatte. Laut 1. Chronik 12,23 waren dies aber „nur“ die ,,Führer der zum Heere Gerüsteten” (wörtlich aus masoretischen Text), also gar nicht einmal das gesamte Heer. Wenn David über 300.000 Offiziere hatte, wie groß war dann das gesamte Heer? Wie groß war die Stadt Hebron, dass die Einwohnerschaft einer deutschen Großstadt als Gäste darin Platz gefunden hätte? Entwirrt man die Zahlen, indem man den Ausdruck ,,lp”statt mit ,,1000“ mit dem Wort ,,Offizier“ oder „Berufssoldat” übersetzt, so kommt man auf etwa 2000 Mann. Auch die Größe des israelitischen Volkes in der Wüste oder bei Davids Volkszählung erscheint in den Konsonanten des masoretischen Textes wie der Qumranrollen nur als ,,lp”, was grundsätzlich als “schwertfähige Männer” (Tur-Sinai-Übersetzung des Wortes ,,Ip”).

Tatsächlich weiß man aus archäologischen Funden des gesamten Nahen Ostens inklusive Israel, dass die Städte der vor antiken Welt wohl Tausende von Menschen beherbergt haben, so daß die Gesamtzahl der Israeliten etliche Hunderttausend umfasst hatte aber nicht jene Millionen, die man von Davids Volkszählung(die ja nur die waffenfähigen Männer umfasst hatte). Andernfalls hätte Israel zur Zeit Davids eine etwa so hohe Bevölkerungsdichte aufgewiesen, wie heute.

Der Autor dieses Textes möchte auf die geringen Unterschiede zwischen masoretischen Text und den verschiedenen Qumran-Rollen hinweisen. Schließlich kursieren ja in ,,wissenschaftlichen Kreisen” Vermutungen, dass die ,,Bibel schlecht überliefert worden” ist. Beispiel: In Jesaja 21, 8 liest der masoretische Text ” … und er schrie, ein Löwe: Auf einem Wachturm stehe ich, oh Herr … und christliche Übersetzungen formulieren:”….und er schrie wie ein Löwe…”. Aus dem Text -Zusammenhang geht nicht hervor,was hier ein Löwe zu suchen hat. In den Qumran-Texten lesen

wir an dieser Stelle „und der es sah,schrie:Auf einem Wachturm…” bez.”…der Seher schrie:Auf…“. Die Konsonanten für „der es sah”=hr-alef-h sind durch einen Abschreibfehler in alef-ryh=”Löwe” verwandelt worden. So wurde aus dem ,,Seher ein „Löwe”. Nunja. Solche Kleinigkeiten sind philologisch sehr interessant, aber es sind eben nur Kleinigkeiten. Zur Erklärung mancher unverständlicher alttestamentlicher Aussagen ist es gut, wenn Brüder, die im Predigtdienst stehen über solche Sekundärliteratur verfügen.

Kapitel 7 Weswegen also die ganze Aufregung?

Die Bibelkritik ist heute leider die allgemein anerkannte Auffassung aller „christlichen“ Kirchen, die zusammengefasst sind im Ökumenischen Rat der Kirchen. Von einem fundamentalistischen bibeltreuen Standpunkt ist leider folgende Mahnung auszusprechen:

Wer sich als echter und ernster Christ betrachten will, muss eine jede geistliche Gemeinschaft mit Christen, die letztlich diese Meinung vertreten, ablehnen. Im Klartext, auch wenn das für manchen Leser schockierend klingt, heißt das: Solche „Christen“ dürfen wir nicht als „Brüder“ und „Schwestern“ im Herrn betrachten und wir haben als bibeltreue Christen in solchen Glaubensgemeinschaften nichts zu suchen. Desgleichen seien alle Pastoren und Älteste von bibeltreuen Gemeinden gewarnt, wenn sie gutgemeinte und liebe Angebote seitens der evangelischen Kirche oder seitens anderer Gemeinden bekommen!

In Gemeinschaften, die irgendwie mit der Ökumene verflochten oder Praktiken wie Homo-Ehe akzeptieren oder tolerieren, haben echte Gläubige, nichts zu suchen.

Wir müssen viel eher die Frage stellen: Wer gibt welche Bibelübersetzung heraus mit welchem Ziel? Tatsächlich kann man den Nestle Aland Text wörtlich übersetzen, aber eben auch so, dass ein bibelkritischer Gedankengang dem Leser beigebracht werden soll.

Beispiel 1: 2.Timotheusbrief3,16: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und ist nützlich zur Lehre.

Unabhängig, ob Textus Receptus oder Nestle Aland der griechische Wortlaut ist in beiden gleich! Neuere und Ökumenische orientierte Übersetzungen Übersetzen formal auch richtig:

2.Timotheusbrief3,16: Jede Schrift, die von Gott eingegeben ist, ist nützlich zur Lehre.

In der deutschen Sprache wird hier der Sinn unterlegt, dass eben nicht die gesamte Heilige Schrift, sondern nur ein Teil, eben der, der von Gott eingegebene Teil, nützlich zur Lehre ist. Hier wird beim Leser Vorschub geleistet für die Argumentation, die Bibel ist nicht das Wort Gottes, sie enthält es nur und was davon eben Gottes Wort ist, unterliegt der Deutungshoheit irgendwelcher moderner Theologen!

Wir merken: Jede Übersetzung ist auch immer Interpretation! Wer den Textzusammenhang in den Versen 14 bis 16 beachtet, wird feststellen, dass Paulus hier klar und deutlich betonen will, dass alle, auch die alttestamentlichen Schriften Schriften von Gott inspiriert sind. Im Kontext ist die Rede von den „heiligen Schriften“. Das ist ein stehender Ausdruck im Judentum für die Gesamtheit der Thora und der Propheten.

Und wenn wir diese Worte an Timotheus in Zusammenhang sehen mit der Redewendung des Paulus im Brief an die Galater spricht, dann wird klar, dass Paulus auch hier im weiteren Sinne die damals schon schriftlich fixierten Evangelien von Markus und Matthäus und Lukas meint. Aber genau dies leugnet das ökumenische Bibelverständnis!

Galater 1 ,9 Wie wir es zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt als das, welches ihr empfangen habt, der sei verflucht!

Beispiel 2: In Matthäus 8,24 ff. ist bekanntlich die Rede davon, wie Jesus den Sturm auf dem See Genezareth gestillt hatte. Neuere, Ökumenisch gesinnte Übersetzungen Übersetzen das im Textus Receptus und auch im Nestle Aland verwendete Wort „seismos“ mit „Seebeben“. Nun, was ist so Schlimmes daran? Antwort: Ein Seebeben dauert eben nur wenige Sekunden bis maximal Minuten. Eine „Stillung eines Seebebens“ ist kein Wunder im wörtlichen Sinne. Es hört eben von alleine wieder auf! Aber hinter dieser Übersetzung steht eben der moderne, liberal-christliche Gedankengang, dass Jesus und das gesamte Neue Testament „entmythologisieren“ will.

Wohl kann das Wort ,,seismos“ Erdbeben bedeuten, aber eben auch Sturmwind. Wortgetreue Übersetzungen verwenden aber das Wort „Ungestüm“, denn sowohl aus dem Vers 27, wie auch aus den Parallelstellen in Markus 4,36 ff. und Lukas 8,23 ff. geht eindeutig hervor, dass es sich um einen Sturm und nicht ein Seebeben gehandelt hatte. übrigens stehen an diesen Stellen sowohl im Textus Receptus wie auch Nestle Aland das griechische Wort für „Wirbelsturm“. Wenn nun der unwissende Bibelleser in einer Ökumenisch orientierten Übersetzung diese Textstellen vergleicht, wird er sofort meinen: Da widerspricht sich aber das Wort Gottes. In Matthäus steht „Seebeben“ und in Lukas bzw. Markus steht aber „Sturmwind“! Neuere Übersetzungen Übersetzen dort ganz richtig: „Sturm“.

Beispiel 3: In Römer 16,7 grüßt der Apostel Paulus sich verabschiedend seine Verwandten und Mitgefangenen Andronicus und Junias. Neuere Übersetzungen übersetzen aber „Junia“, und machen aus dem männlichen Junias eben eine Frau. Tatsächlich kann man das entsprechende griechische Wort im Nestle Aland wie auch Textus Receptus sowohl männlich wie auch weiblich Übersetzen, denn der Akkusativ für die beiden Formen „iounian“ ist gleich.

Warum entscheiden sich also ökumenisch-moderne Übersetzer für die weibliche Form? Dahinter steht der liberal-theologische Gedanke, dass es im Ur-Christentum erlaubt gewesen wäre, dass auch Frauen Predigerdienst oder Bischofsdienst verrichten, denn: Im Vers 7 werden die beiden ausdrücklich als Apostel (Gesandte) bezeichnet! Folgerung: Die böse, frauenfeindliche Kirche hätte später den Frauen die Gleichberechtigung verwehrt und sie unterdrückt.

Woher wissen fundamentalistische, also bibeltreue Christen, dass die männliche Form die richtige ist? Die Antwort liegt im Wort „mitgefangene“. Paulus war zu dieser Zeit im Gefängnis. Folglich müssen beide ebenfalls irgendwo in einem römischen Gefängnis gesessen haben, (anzunehmen wegen eines nicht erlaubten Verkündigungsdienstes). Da wir aber dank der Überlieferung in Klöstern die Texte des römischen Strafgesetzes vollständig kennen, wissen wir, dass Frauen verbannt wurden, aber nicht dauerhaft in einem Gefängnis saßen. Folglich handelt es sich bei „iounian“ um einen Mann Junias.

Ebenso schriebt Paulus in 1. Kor 14,34: Eure Frauen sollen in den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt. Dies zeigt auch eindrücklich, dass es keine Apostelinnen gab.

Kapitel 8 Bibelübersetzungen im Vergleich

Nun sollen einige Bibelübersetzungen bewertet werden die heute auf dem deutschsprachigen Markt sind, und zwar unter dem Gesichtspunkt einer „bibelkritisch-Ökumenischen“ Übersetzungsform und einer „fundamentalistischen“ Übersetzungsform. Hinter zahlreichen Übersetzungen steht nicht die Absicht einer besseren Verständlichkeit oder genaueren Worttreue, sondern letztlich die Absicht, das Wort Gottes zu „entmythologisieren“ und das biblische Bild von Jesus umzuwandeln in ein liberal-modernes Bild.

Dies ist eine absichtliche Verdehung des Wortes, weswegen die Bibelübersetzungen nicht nur einfach informativ vorgestellt, sondern auch bewertet werden.

Bibelübersetzungen mit jener eben verdrehten Absicht werden als liberal bezeichnet. (Nicht wortgetreu und Ökumenisch orientiert. An die Welt angepasstes, verfälschtes Jesusbild.)

Für eine Vermittlung eines klassischen Jesusbildes verwenden wir die Bezeichnung fundamentalistisch. (Grundlage des echten christlichen Glaubens.)

Kapitel 9 Stellungnahme zu einigen deutschen Bibelübersetzungen

Die Übersetzungen Luthers Die Lutherbibel erlebte nach 1912, immer noch wie das Original von 1545, ziemlich altertümliche Ausdrücke. Erst 1964 erhielt diese zahlreiche sprachliche Verbesserungen. Jedoch die Textrevisionen von 1975 und erst recht 1984 und in verstärktem Maße nach 2000 enthalten Übersetzungsvarianten und Texterklärungen, die liberal und ökumenisch orientiert sind. Anstatt tatsächliche Ungenauigkeiten und Fehler Luthers auszumerzen, sind die neuen Revisionen der Lutherbibel voll von glaubenszerstörenden “Erklärungen” und “Hinweisen”, dass von bibeltreuen Standpunkt die Benutzung abzulehnen ist. Wer die Luther 1912 benutzen möchte oder die mit sehr guten Erklärungen versehene Luther-Scofield Studienbibel, sollte bei der Benutzung zwei Dinge bedenken: Luther hatte übersetzt aus ,,späten Textzeugen”,nämlich dem Textus Receptus und der Septuaginta (heute ist diese Übersetzung durch die Biblia Hebraica korrigiert) und seine Absicht war nicht die größte Testgenauigkeit, sondern die größtmögliche Verständlichkeit im deutschen Volke.

Bei Drucklegung dieses Textes (2018) war leider keine deutschsprachige Bibelübersetzung im Handel, die sich im AT auf die Biblia Hebraica Quinta, also auf den masoretischen Text plus Ergebnisse der Qumran und Massada-Rollen stützt.

Die Einheitsübersetzung: Ist eine Gemeinschaftsübersetzung der katholischen Kirche in Deutschland und der Evangelischen Kirchen in Deutschland. Da sich letztere leider außerordentlich weit von den Grundlagen des christlichen Glaubens entfernt haben, sind in diese Übersetzung, wie auch in die neuen Luther Revisionen außerordentlich viele liberale Anschauungen eingeflossen, so daß bibeltreuen Gläubigen mit gutem Gewissen gesagt werden kann: Es gibt bessere Übersetzungen.

Die Gute Nachricht-Bibel: Ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung keine Übersetzung, sondern eine Übertragung des Einheitsübersetzungstextes in ein für die junge Generation verständliches Deutsch.Daraus ergibt sich, dass diese Schrift nicht zum wirklichen Bibelstudium geeignet ist, sondern eher für

Glaubensferne Menschen, die über die Lehre und Inhalt der biblischen Botschaft informiert werden sollen. Die Herausgeber sind die Bibelwerke der katholischen Kirche wie der Evangelischen Kirchen Deutschlands. Die Ausgaben nach 1997 sind von einer liberalen-ökumenischen Theologie geprägt. Der Text ist sehr gut zu lesen und leicht verständlich, erkauft mit etlichen Verflachungen und Sinnveränderungen.

Schlachter-Bibel: Ist eine Übersetzung von Eugen Schlachter, heute umfangreich revidiert. Grundlage sind die Biblia Hebraica sowie der Nestle-Aland-Text. Kräftiges (entfernt Luther Ähnliches) Deutsch mit großer Nähe zum jeweiligen Grundtext. Anstelle der Luther-Bibel gut zu empfehlen.

Mühlheimer NT: Ist eine Übersetzung des Pfingstpredigers Jonathan Paul aus dem Nestle-Text. von 1914. Gutes Deutsch mit großer Nähe zum Urtext. Anstelle der Lutherübersetzung gut zu empfehlen.

Die Menge-Bibel: Ähnliche Beurteilung wie die Schlachter-Bibel, wird aber heute nicht mehr neu aufgelegt.

Neues-Leben-NT: Ist eine zweite Übersetzung aus dem Amerikanischen. Der New-Living-Translation liegt das Novum Testamentum Graece zugrunde, der geplanten Übersetzung des AT die Biblia Hebraica. Neues-Leben versucht den Sapagat zwischen wörtlicher Übersetzung und bestmöglicher Verständlichkeit.Letzteres ist zumindest geglückt, aber schon allein aufgrund der Tatsache, dass aus einer anderen Übersetzung übersetzt worden ist, nimmt dem Werk die Texttreue zum Original.Zum Bibelstudium zwar nicht geeignet, jedoch zur Erbauung und zum Kennenlernen für Nicht-ganz- Kirchenferne gut geeignet.

Konkordantes NT: Ist eine Übersetzung einer Synopse von Codex Sinaiticus, Vaticanus und Alexandrinus, und zwar da, wo sie textlich identisch sind (ca. 99% des Wortschatzes). Besonderheit: Deutsche Worte, die in der Übersetzung notwendig sind, aber im Griechischen fehlen sind dünn gedruckt.Zahlreiche Anmerkungen zu sprachlichen Nuancen.Zu empfehlen nur einem Kenner der alt-griechischen Sprache,der mit den sprachlichen Besonderheiten umgehen kann.

Interlinear-Übersetzung des Nestle-Aland-Textes: Ist eine Wort-für-Wort Übertragung einer versuchten Rekonstruction des griechischen Urtextes des Neuen Testamentes.Da der Urtext weder Punkt noch Komma kannte,der Nestle-Aland-Text aber sehr wohl,ist bereits dadurch für den genauen Übersetzer eine Art Interpretation gegeben(soll hier nicht näher erörtert werden). Eher als das Konkordante NT zu empfehlen, aber eben auch nur für

die Zielgruppe:Kenner der altgriechischen Sprache.

Die Elberfelder-Übersetzung: Ist eine Übersetzung der Brüderbewegung Deutschlands.Ihr liegt im AT die Biblia Hebraica zugrunde und dem NT ursprünglich die damals (1870 neu gefundenen / neu entdeckten Codices Sinaiticus, Alexandrinus und Vaticanus zugrunde, heute der gesamte Nestle-Aland-Text. Sie galt und gilt bis heute als die Übersetzung, die am Text treuesten übersetzt, was für manche durchaus eine Anforderung sein mag. Die Elberfelder gibt es revidiert und unrevidiert in der einen Übersetzung erscheint statt ,,Herr der Gottesname Jahwe und für ,,ekklesia”=Gemeinde das Wort ,,Versammlung oder eben ,,Gemeinde”, es gibt sie ,,einfach“ oder als Scofield-Bibel mit zahlreichen bibeltreuen Anmerkungen,sodaß man sagen kann: Bis auf den Preis sehr empfehlenswert (nunja, aber Qualität kostet leider auch etwas!), besonders zum Studium.

Die Neue evangelistische Übersetzung: NeÜ-Bibel-heute Ist eine Übersetzung von Van Heiden aus dem Nestle-Aland-Text und der Biblia Hebraica, jedoch unter Zuhilfenahme bereits vorhandener englischer und deutscher Übersetzungen. Es ist ein gelungener Versuch von freier Übersetzung, guter Verständlichkeit bei gleichzeitiger starker Nähe zum Grundtext. Der Text zeichnet sich durch eine hohe sprachliche Klarheit aus allerdings auf Kosten einer wörtlichen Wiedergabe. Die langen Satzkonstruktionen in den Briefen sind in kürzere Sätze aufgelöst. Zum Bibelstudium im strengen Sinne zwar nicht zu empfehlen, aber lesenswert für diejenigen, die Gott näher kommen möchten. Für diejenigen, die Luther „nicht mögen“, und denen Hoffnung für alle oder Neues-Leben „zu oberflächlich” ist gut zu empfehlen.

Hoffnung für alle Hat das Ziel, genau wie die gute-Nachricht-Bibel, die biblische Botschaft kirchenferne Menschen nahe zu bringen.Im Gegensatz zu letzterer handelt es sich um eine Übersetzung aus Biblia Hebraica und dem Nestle-Aland-Text mit Anleihen an den Textus Receptus. Der leicht verständliche und gut zu lesende Text ist in seiner Übersetzung oft ungenau, aber nicht von einer liberalen Theologie geprägt. Wegen der Verflachungen eignet er sich nicht zum Bibelstudium ist aber eher zu empfehlen, als die Gute-Nachricht.

Die Jerusalemer Bibel: Ist eine katholische Übersetzung der Vulgata des Alten und Neuen Testamentes. Sie ist außerordentlich stark geprägt und versehen mit liberalen und bibel kritischen Anmerkungen und Übersetzung Tendenzen. Für bibeltreue Christen nicht zu empfehlen.

Das „A.T.“ von Zunz: Ist eine Übersetzung der Biblia Hebraica von Zunz, Fürst, Sachs und Arnheim und richtet sich an gebildete deutsche Juden. Gehobenes Deutsch.

Das ,,A.,T.“von Tur-Sinai: Ist eine Übersetzung der Biblia Hebraica von Torczyner und richtet sich an orthodoxe deutschsprachige Juden Jüdisches deutsch mit stärkerer Worttreue zum hebräischen Original. Beide Übersetzungen sind deswegen auch frei von christlichen Tendenzen in der Übersetzung. Beide Ausgaben sind nur zu empfehlen als Nachschlagewerke für Unverständlichkeiten im Alten Testament.

Die Neue-Welt-Übersetzung: Ist die Standardausgabe der Zeugen Jehovas. Grundlage der Übersetzung ist die Biblia Hebraica, aber auch in Einschränkungen syrische Übersetzungen.Für das NT gilt das Novum Testamentum Graece. So gut die Quellen sind, so zweifelhaft die Übersetzung: Zeugen Jehovas benutzten bei der Übersetzung einen Sprachcomputer, der besonders im AT für eine sehr umständliche Ausdrucksweise sorgte. Hinzu kommt, dass die deutsche Ausgabe eine zweite Übersetzung der englischen Version ist. Bezüglich Textgenauigkeit sehr gut jedoch leider werden für die in dieser Glaubensgemeinschaft typischen Sonderlehren die betreffenden Bibelstellen ,geschönt” übersetzt. Andererseits-das AT weist große Testgenauigkeit zum masoretischen Text auf ohne dass es wie bei Tur-Sinai oder Zunz ,,hebräisches Deutsch“ klingt. Im NT wird der Gottesname JHWH wie in der gesamten Bibel mit “Jehova“ wiedergegeben, obwohl in den uns bekannten ältesten Textfragmenten eindeutig und klar “Herr“ steht. Diese konsequente Wiedergabe von ,,Herr” mit ,,Jehova“ führt gerade in den apostolischen Briefen zu der Schieflage, dass im Original Jesus gemeint ist,aber in der NW-Übersetzung eben Gott. Abgesehen von den wirklich niedrigen Preis, zum normalen Bibelstudium nicht zu empfehlen, und ehrlich gesagt für den ,,Normal-Deutsch Muttersprachler” etwas verwirrend.

Die Zürcher Bibel Ist eine Übersetzung der reformierten Kirchen der Schweiz. Vor etwa 100 Jahren genauer und besser als die Luther-Bibel, obwohl ebenfalls auf Septuaginta und Textus Receptus fußend gilt für die Neuausgaben nach 1931 das Gleiche wie für die Luther-Bibel:Liberale, feministische Übersetzung Tendenzen und glaubenszerstörende Anmerkungen. Nicht zu empfehlen.

Die Neue Zürcher Bibel: Ist eine revidierte Ausgabe (1984) der eben genannten. Laut Telefonauskunft ist sie besonders in dem Sinne revidiert, dass die evangelisch-reformierten theologischen Fakultäten der Schweiz, welche allesamt der liberalen, bibelkritischen Theologie verpflichtet sind, die Bibel durchgesehen, “verbessert” und mit entsprechenden Anmerkungen versehen haben. Besonders stolz ist man darauf, dass man zusätzlich den Text hat durchsehen lassen von einem Rabbiner-Kollegium, um ,,antisemitische Äußerungen der Autoren” zu entfernen und von einer ,,Frau Lesegruppe” (was immer man darunter versteht) um ,,frauen-diskriminierende Anmerkungen“ zu glätten. Und es seien

bereits ,,Fachgruppen” (welcher Kompetenz?) im Gange, um die Version von 1984 durchzusehen um ,,homophobe (d. h. Bibelübersetzungen gegen Homosexualität gerichtete) Stellen” und „menschenverachtende und rassendiskriminierung” (z. B. die Bestrafung von Kindern betreffende) Bibelstellen neu (!) zu formulieren. Wir denken, dass eine derart “gereinigte” Bibel unter den Begriff ,,Verfälschung” fällt und keinesfalls zu empfehlen ist. Das gleiche gilt für solche Verfälschungen wie ,,Bibel in gerechter Sprache“ oder gar für die durch eine ordinäre Gossensprache sich auszeichnende” Volx-Bibel.

Kapitel 10 Empfehlung zu den Studien-Bibeln

Eine Studienbibel ist eine Bibelübersetzung mit umfangreichen Erläuterungen zu dem notwendigen theologischen und historischen Hintergrund. Grundsätzlich waren und sind Studienbibeln gedacht für Brüder, die im Predigtdienst stehen, heute aber werden sie zunehmend zur Ergänzung der gottesdienstlichen Verkündigung gebraucht. Bei der Beurteilung der einzelnen Ausgaben muß man unterscheiden zwischen theologischer Kompetenz und der historischen Sachkompetenz. Letztere kommt in allen Studienbibeln zu kurz, und zwar aus dem Grund, weil die meisten Verfasser die Texte vor vielen Jahrzehnen bzw. vor der Entdeckung der Qumran Rollen abgefasst haben. Deswegen kommen gerade historische Erklärungen nicht über den historischen Wissensstand der Schriften von Josephus Flavius hinaus.

Wer die Sachkompetenz von Studienbibeln überprüfen will, kann als grobes Merkmal zwei Punkte nehmen:

Erstens: In 1. Mose 11,4 schreiben ungenaue Übersetzungen, dass der Turm zu Babylon “mit seiner Spitze bis an den Himmel reiche, auf dass wir uns einen Namen machen”. Der masoretische Text, geprüft an den Funden von Qumran gibt diese Übersetzung nicht her. Für den kritischen Bibelleser, auch gerade für einen Nicht-Christen ist diese Aussage lächerlich und unverständlich: Aus Ausgrabungen kann man errechnen, dass die ,,Zikkurat” der vorantiken Zeit Tempeltürme gewesen waren, vielleicht maximal 100 oder 200 m hoch. Wieso zürnt dann Gott nicht wegen der Skyline von New York oder San Francisco, von den Mammutbauten Bahrains und Saudi-Arabien gar nicht zu reden? Das im Moment höchste Gebäude der Welt, knapp 1000 meter (!) hoch, steht in Abu Dhabi. Und gerade in diesem Fall kann man davon reden, dass sich die Erbauer aus Prestigegründen ,, einen Namen machen wollen” … Ungenaue Übersetzungen geben oft den Anlass, dass über Gottes Wort kritisch gelästert wird! Richtig übersetzt lautet die Stelle ….. mit dem Himmel an der Spitze… ” d. h., an der Spitze dieser Bauten war eine Abbildung des Sternenhimmels, also der (babylonischen)Sternbilder(man hatte archäologischer seits Bruchstücke gefunden! Nun wird der Sinn dieses Vorgehens der Menschen verständlich und auch verständlich wird der Zorn Gottes: Bei diesen Anlagen hatte es sich um Tempel gehandelt, deren Sinn und

Zweck die Befragung der ,, Götter” bezüglich Zukunfts Ereignisse und Kontaktaufnahme zur unsichtbaren Geisterwelt gehandelt hatte. Denn die archäologischen Ausgrabungen haben ergeben, dass diese Türme religiöse und identitätsstiftende Funktion für die jeweilige Herrscher / Königsfamilie hatten: Die babylonischen Herrscher leiteten sich abstammung mäßig von den Göttern ab, und die Götter Babylons bez.des gesamten mesopotamischen Kulturkreises , waren sichtbar” und wurden angebetet in Form der Form der Sternbilder. Der jeweilige Herrscher war irgendein leiblicher Nachkomme des obersten Gottes und zugleich der oberste Priester / Vermittler zwischen den „Sternen” die das Schicksal des Einzelnen bestimmte und eben jenen ,,Sternen”: Wir wissen, dass diese astrologischen Zukunfts und Schicksalsbefragungen okkult sind und die Mächte, die dahinter stehen, satanisch sind. Wer sich mit diesen Dingen beschäftigt, liefert sich (wie auch heute noch in einschlägigen Kreisen) der Macht des Bösen aus. Nun wird auch die Reaktion Gottes verständlich…

Zweitens: Im Hebräerbrief 1,8-9 zitiert Paulus den Psalm 45,7-8. Nahezu alle Bibelübersetzungen übersetzen wie folgt: “Aber von dem Sohn. “Oh Gott, Dein Stuhl währt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das Zepter Deines Reiches ist ein richtiges Zepter. Du hast geliebt die Gerechtigkeit…deswegen hat Dich, oh Gott, Dein Gott gesalbt …” Weder der masoretische Text noch die Septuaginta, welche Paulus hier zitiert lassen eine solche Übersetzung nicht zu, und auch die uns vorliegenden Texte der verschiedenen Codices inclusive Textus Receptus lassen diese Übersetzung nicht zu. Das ,,ho” vor dem Wort, theos”=Gott steht überall, wo ,, der “Gott(als Eigenname) gemeint ist und bedeutet auf keinen Fall die Anrufung Form ,,oh Gott”, König Salomo, der hier im Rahmen seiner Hochzeit angesprochen wird, wird im hebr.nicht als ,,Gott“ angeredet. Die Übersetzung des masoret. Textes lautet: “Dein Gottes Thron steht ewiglich, Dein Königsstab=Zepter ist ein Stab des Rechtes… deshalb hat Dich Gott. Dein Gott, gesalbt….” Eine gute Studienbibel bringt hier eine entsprechende Anmerkung.

Eine gute Studienbibel erklärt den scheinbaren Widerspruch in der Weihnachtsgeschichte: Laut Matthäus Evangelium flüchten Joseph und Maria mit dem Jesuskind sofort aus Bethlehem nach Ägypten und kehren erst nach dem Tode Herodes des Großen zurück, und zwar nach Nazareth. Aber laut dem Lukas-Evangelium sind Joseph und Maria nach der für Maria vorgeschriebenen Reinigungszeit von ein paar Wochen in Jerusalem und kehren von da nach Bethlehem zurück. Eine gute Studienbibel erklärt den scheinbaren Widerspruch des Kreuzigungs Termins Jesu. Laut Matthäus ist Jesus anscheinend nach dem Passahfest gekreuzigt worden, nach den 3 anderen Evangelisten eindeutig nach dem Passahfest. Auch die Uhrzeitangaben differieren bei Matthäus und den anderen Evangelisten Bibel Kritiker monieren, dass es Zählfehler in der Bibel gibt: Z. B. in Josua 15, 21-32 zählen die meisten Bibeln 34 Städte, aber es wird behauptet, dass es 29 seien. Gute Studienbibel erklären und kommentieren an dieser Stelle.

Und so weiter und so fort. Den scheinbaren Widersprüchen widmet sich der Autor in einem weiteren Manuskript.

Scofield Studienbibel: Heute: Elberfelder früher Luther 1912-Übersetzung, kommentiert von Wasserzug. Theologisch bibeltreu in der Richtung der Darbysten Brüderbewegung von John Nelson Darby. Bibelschüler wissen, dass Darby die biblische Entrückungslehre und den Dispensationalismus wiederentdeckte.

Thompson Studienbibel: Luther-Übersetzung 1984 jedoch die Kommentare von Thompson aus dem späten 19. Jahrhundert, methodistisch. Im Gegensatz zu den heutigen(2018) Methodisten bibeltreu-erwecklich. Sachkompetenz liegt natürlich lange vor den historischem Wissensstand vor 1948 (Entdeckung der Qumran-Rollen)

Stuttgarter Studienbibel: Luther-Übersetzung 1984 herausgegeben von den Theologen der Bibelgesellschaft der Evangelischen Kirche Deutschlands. Angesichts des dort vertretenen Liberalismus und der modernen Bibelkritik ist hier Vorsicht angebracht. Diese Warnung gilt nicht für eventuelle Ausgaben vor 1970, als es in der Evangelischen Bibelgesellschaft noch bibeltreue Theologen gegeben hatte.

Stamps Studienbibel: Neue Zürcher 2007, von daher ist leider schon ein gewisser Abstand geraten. Der Kommentar stammt erstaunlicherweise von Stamps, einem Theologen der amerikanischen Pfingstbewegung. Angesichts des Anspruches, “im Besitz des Heiligen Geistes zu sein” ist es geradezu verwunderlich, dass solch ein Mann eine Bibelübersetzung nimmt, die sich durch geschönte”=politisch korrekte Formulierungen „auszeichnet“. Die amerikanischen ,, Assemblies of God” sind selbstverständlich aktives Mitglied im ökumenischen Weltrat der Kirchen in Genf. Vor diesem Hintergrund ist eine solche Studienbibel mit einer gewissen Vorsicht zu gebrauchen.

Ryrie Studienbibel: Der Kommentator Ryrie hatte die Revidierte Elberfelder gewählt, was auf bewusste Bibeltreue schlieBen lässt. Tatsächlich theologisch bibeltreu, allerdings ist Ryrie Calvinist und vertritt die Prädestinationslehre.

John MacArthur Studienbibel: Für sie gilt das gleiche, wie für die Ryrie-Studienbibel, wobei MacArthur sich theologisch durch eine sehr große Bibeltreue auszeichnet. Allerdings auch hier: Er ist Calvinist und vertritt in seinen Kommentaren die Prädestinationslehre. Zusätzlich werden ihm arianische Tendenzen (Jesus ist dem Vater untergeordnet und dem Heiligen Geist ist nach hebräischem Verständnis keine Person

zugeschrieben. Abgesehen von diesen Dingen aber empfehlenswert.

Der Autor möchte deshalb noch einmal darauf hinweisen: Die Bibel ist von Gott inspiriert, nicht der Kommentator!

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